Und was machst Du so beruflich?!

Um dieses Blog zu starten, fange ich doch gleich mal an mit einer kleinen Vorstellung meiner Person und meiner beruflichen Standbeine. Eine meiner Inspirationen, meine Seite neu und tatsächlich mal in Verbindung mit einem Blog aufzubauen, war nach ewig langer Zeit des Aufschiebens ein Artikel der mich zu einem interessanten Projekt führte. Bei der von Wibke Ladwig ins Leben gerufenen Blogparade erzählen Menschen von ihren Berufen, die im Online-Zeitalter meist automatisch mehr Aufgaben umfassen als die Berufe vorhergehender Generationen. So kann es auch zuweilen schwierig sein, den eigenen Familienmitgliedern zu erklären was man eigentlich tut. Doch es muss gar nicht am Generationenunterschied liegen.

Die Standardunterhaltung zum Thema meiner derzeitigen Festanstellung verlief über die ersten Monate im Regelfall nach Schema ‚A‘:

Was machst du denn beruflich?
Ich bin technische Redakteurin!
Ah… Bei welcher Zeitung?

Den Begriff Technischer Redakteur habe ich inzwischen aus offensichtlichen Gründen mehr oder weniger aus meinem Wortschatz gestrichen und beantworte die Frage inzwischen eher folgendermaßen:

Ich bin Übersetzerin!
Ah… Bücher?

Leider auch daneben. Den Traum mit der Übersetzung des Harry Potter Nachfolgers, reich zu werden, habe ich glaube ich an Tag 3 meines Studiums aufgegeben (und nein, ich bereue nicht, dass Shades of Grey und Twilight an mir vorbeigegangen sind und warte nach wie vor auf einen Harry Potter Nachfolger, auf den ich mich dann selbstverständlich auch umgehend stürzen werde!! Stichwort: „Don’t Dream It – Be It“).

Dass ich neben Technischen Dokumentationen auch noch an Vertriebspräsentationen, Produktmarketing und Webseitentexten arbeite und eigentlich ja auch nicht nur übersetze, sondern auch schreibe, und eigentlich ja auch noch ganz viel Software teste, an System-Screenshots bastle und ganz nebenbei auch noch viel mit Bildbearbeitung und Layout zu tun habe, verschweige ich meistens aus Zeitgründen. Die Menschen steigen so und so bei „Handbücher übersetzen“ lachend oder wahlweise kopfschüttelnd aus und denken unter Garantie an das Faltblatt im Karton der Christbaumbeleuchtung, die sie letzten Dezember erstanden und im Januar entsorgt haben.

Kompliziert wird es dann erst recht, wenn man erklärt, dass es ja auch noch das Leben als Freiberufler gibt.

Ich habe jetzt letzten Monat endlich die Beeidigung als Übersetzerin bekommen.
Ah, du übersetzt jetzt vor Gericht.
Das wäre dolmetschen… (Dieser Satz klingt bei 99% der Übersetzer gleich, was wohl an der Frequenz der Fragestellungen liegt, auf die die Antwort zutrifft.)

Du ich kann leider nicht, ich muss heute Abend noch was fertig lektorieren!
Ach komm, das bisschen rot anstreichen, was du da machst…

Unter dem Begriff Journalist können sich die meisten im Regelfall etwas vorstellen, sind jedoch unvorstellbar aber wahr eher enttäuscht, dass man dann doch eher mit dem Gemeinderatsbeschluss in Hindertupfing oder der Feuerwehrübung in… (*hier der Einsatz für den Wunsch nach Themenwechsel*) beschäftigt ist, statt vom großen Weltgeschehen zu berichten oder lustige Kolumnen à la Carrie Bradshaw zu veröffentlichen. Und wie sich Carrie die neuen Manolos leisten kann, kann ich mir um ehrlich zu sein auch nicht so ganz erklären… Andere Assoziationen beinhalten unter anderem Karla Kolumna, die rasende Reporterin, oder auch die Bild-Zeitung („Nee, eher was anderes…“).

Dann kommen wir noch zu meinem „Hobby“ der Promotion: Doktorarbeit klingt groß, Kollegen nennen mich seit sie davon gehört haben, ohne dass zu diesem Zeitpunkt überhaupt eine Seite der Diss geschrieben war spaßeshalber „Frau Doktor“. Spätestens wenn sie aber hören in welchem Fach und zu welchem Thema  ich promoviere (Rollentextkonzeptionierung… Translation… bitte was?), erscheint das große Fragezeichen oder im Schlimmstfall der nächste mitleidige Blick.

Worüber wir uns einig sein können: Ich habe zu viele Interessen und lasse mich von Eintönigkeit im Leben eher abschrecken. Ein komplizierter Beruf wäre vielleicht leichter zu erklären aber lange nicht so spannend wie die Arbeit an vielfältigen Projekten. Und vielleicht sollte ich einfach darauf umsteigen, meine letzte freiberufliche Tätigkeit als Standardberuf anzugeben:

Ich bin Bouldertrainer.
Ah, dieses Kletterdings!

Ganz genau! 🙂