Sprung ins Ungewisse – Teil 2

Jetzt sind doch tatsächlich schon drei Monate vergangen seit ich mit dem Blogartikel Sprung ins Ungewisse meine erste Blogparade gestartet habe. Die Resonanz war zwar nicht sehr groß, die eingereichten Artikel dazu aber umso wertvoller, da sie mir allesamt gute Anregungen für mein Vorhaben geben konnten. Darum findet ihr hier nochmal eine kleine Zusammenfassung der Blogparade (die Liste mit Links zu den Originalen findet ihr auf der Seite des ursprünglichen Artikels):

Zur Erinnerung: Ich habe die Blogparade wenige Tage nach meiner Kündigung gestartet, da ich das Ziel verfolgte als freiberufliche Übersetzerin und Journalistin zu arbeiten und das Leben in Festanstellung (vorerst) aufzugeben. Dazu wollte ich wissen, was andere Menschen zu einem ähnlichen Schritt bewogen hat und fragte:

An welchem Punkt im Leben habt ihr euch für den Freiberufler-Werdegang entschieden und die Festanstellung für den großen Traum aufgegeben?  Gab es eine Achterbahnfahrt der Gefühle oder wart ihr euch immer sicher, das Richtige zu tun? Und was ist euer Erfolgsrezept für Freiberufler-Krisenzeiten?

Die erste Antwort bekam ich wenige Tage später von Tanja, die nicht an die eine richtige Chance im Leben glaubt, die es abzuwarten gilt. Für sie, und da gebe ich ihr Recht, ist das Zauberwort „Engagement“. Statt auf DIE Chance zu warten, die eines schönen Tages vom Himmel fallen könnte, sollte man lieber die Augen aufmachen und Chancen finden, die bereits um uns herum auf dem Boden der Tatsachen angekommen sind und nur darauf warten, von uns genutzt zu werden.

Selbständig zu sein, heißt seine Stärken und Schwächen, sein Umfeld und vor allem seine Möglichkeiten zu erkennen – immer und überall!

Deckt sich mit meinen Ansichten und Erfahrungen, was auch der Grund ist, dass ich den unsicheren Weg gegangen bin, nämlich erst mal den sicheren Hafen zu verlassen und auf dem Weg ins tiefere Wasser nach Chancen zu suchen. Auch wenn das gerade alles andere als ein angenehmes Gefühl ist.

Die zweite Antwort kam von meiner Übersetzerkollegin Sarah Gebauer, die ich über den Berufsverband DVÜD kennengelernt habe (denn irgendwie haben wir es geschafft, zur gleichen Zeit in Germersheim zu studieren und uns nicht ein einziges Mal über den Weg zu laufen – wer Germersheim und v.a. die Uni nicht kennt: das ist schier unfassbar!). Sarah hatte diesen Schritt bereits während des Masterstudiums gewagt und etwas ernsthafter verfolgt als ich zu diesem Zeitpunkt: mit großem Erfolg. Auch sie erzählt von Höhen und Tiefen, hat sich aber nach fast zwei Jahren Selbstständigkeit mit ihrem Übersetzungsbüro sehr mit ihrem Job und den damit verbundenen Freiheiten angefreundet.

Wenn einem die Selbständigkeit aber liegt, dann macht das alles nichts. Ich glaube nicht, dass Festangestellte an 365 Tagen im Jahr gleich gute/schlechte Laune haben, dass immer alles gleich gut/schlecht verläuft und es nicht auch mal Hochs und Tiefs gibt und Tage, an denen man sich am liebsten krankmelden würde. Wo ist also der Unterschied zur Selbständigkeit? Sie ist in meinen Augen genauso eine Herausforderung wie die Festanstellung, nur eben auf eine andere  Art. Und das liebe ich an meinem Beruf!

Ein weiterer DVÜD-Kontakt, der sich im Rahmen der Blogparade zu Wort gemeldet hat, ist die Literaturübersetzerin Imke Brodersen, die die Gelegenheit nutzte, um sich an ihren eigenen Sprung ins Ungewisse vor vielen Jahren zu erinnern, den ihr viele glückliche Zufälle und eine anfängliche Zweigleisigkeit mit Festanstellung ermöglicht haben. Gerade ihr Schaffen als Literaturübersetzerin ist natürlich gerade für mich eine große Traumvorstellung. Und dass Träume wahr werden können, muss man manchmal eben einfach glauben und seine Chancen auf dem Weg dahin nutzen.

Sandra fragt nach einem Erfolgsrezept für Krisenzeiten. In meinen Augen ist es der Mut, zu sich zu stehen, und immer wieder die nötigen Schritte zu gehen, um den ganz persönlichen Traum voranzutreiben. Ein Mut, den ich wohl aus meiner großen Liebe zum Märchen schöpfe, in dem dem findigen Helden am Ende das Glück winkt und wo Trägheit nie zum Ziel führt.

Ob das immer so märchenhaft ausgeht, ist eine gute Frage, aber es ist ja oftmals der Versuch der zählt. Der vierte Beitrag ist von Montserrat Varela Navarro, die von ihrer freiberuflichen Übersetzertätigkeit erzählt, die von Anfang an richtig gut angelaufen ist.

Krisenzeiten als Freiberuflerin habe ich bis jetzt nicht erlebt. Es ergab sich immer eine Vielzahl von Aufträgen. Ein Auftrag ergab in der Regel den nächsten Auftrag.

Ein Beitrag, der dem Neuling in der Freiberuflichkeit auf jeden Fall Hoffnung macht und einen daran erinnert, warum man mal idealistisch genug war, sich für diesen Weg zu entscheiden.

Der letzte Beitrag kam vor einigen Wochen vom Blog Breakpoint, wo es zur Abwechslung mal nicht um eine Sprachlergeschichte geht, sondern der Bereich Softwareentwicklung thematisiert wird. Hier war ein auf die Schnelle für einen Freund geschriebenes Programm am Sprung in die Freiberuflichkeit schuld. Das Programm hatte sich so zum Selbstläufer entwickelt, dass sich die Autorin irgendwann entschied, dem festen Job den Rücken zu kehren und sich fortan hauptberuflich dem Programmieren zu widmen.

Auf der anderen Seite hatte ich meinen Job, der mich nicht sonderlich forderte. Es war immer nur die gleiche langweilige Datenverarbeitung. Jeden Tag nur Daten eingeben und die Ergebnisse analysieren. Ohne eine Spur Kreativität.

Einem solchen Job den Rücken zu kehren, mag anfänglich ein schwerer Schritt sein. Manchmal ist er jedoch unvermeidbar, was die fünf Geschichten, die diese Blogparade zusammengebracht hat anschaulich beweisen. Die Freiberuflichkeit hat ohne Frage ihre Vor- und Nachteile. Sie ist oft ein steiniger Weg und erfordert eine ganze Menge Eigeninitiative und Kraft, um auch damit umgehen zu können, dass Dinge nicht immer so funktionieren wie im Märchen. Andererseits kann sie auch der Schlüssel zum Happy End sein.

Was die Freiberuflichkeit für mich bedeuten wird, ist nach einer Woche schwer zu sagen. Ich habe in den letzten Wochen sowohl weit offene als auch fest verschlossene Türen vorgefunden. Habe mal wieder festgestellt, dass Versprechen und Zusagen für viele nicht dasselbe bedeuten, wie für mich, dennoch mein gesundes Selbstvertrauen behalten und die ersten Chancen genutzt. Was einen nervös macht, ist die Tatsache, dass für die kleinen Erfolge gerade am Anfang kein direkter Lohn in Form von Scheinchen, bzw. schwarzen Zahlen auf dem Konto herausspringt. Ich werde mich in jedem Fall weiter in mehrere Richtungen orientieren. Und sollte es doch wieder auf eine Festanstellung hinauslaufen, möchte ich sagen können, dass ich wenigstens alles versucht habe. Und die Option Freiberuflichkeit dann auch tatsächlich für eine bessere Alternative aufgegeben habe.

Aber soweit ist es noch lange nicht!