Die Chance eines Quarterbacks

Seit dem verletzungsbedingten Aus von US-Quarterback Mike Wegzyn läuft Sonny Weishaupt bei Frankfurt Universe als Spielmacher auf. Der 24-Jährige aus Babenhausen hat es bereits ins Trainingscamp der Nationalmannschaft geschafft.

Der Quarterback ist im American Football fast automatisch der Publikumsliebling. Doch nur wenige schaffen es, sich auf dieser Position zu behaupten. Einer, dem das schneller gelingt als erwartet, ist Universe-Quarterback Sonny Weishaupt. Er bewies auch im Topspiel gegen das stärkste Team der German Football League Süd, dass er ungeachtet seiner anfänglichen Rolle in Frankfurt als Ersatzmann auf einem guten Weg ist.

Zu Saisonbeginn musste Weishaupt mit dem Wissen leben, wohl nur gegen die schwächsten Teams der Liga von Beginn an spielen zu dürfen, in Begegnungen wie gerade gegen die Schwäbisch Hall Unicorns (7:24) aber überwiegend die Zuschauerrolle einnehmen zu müssen. „Was mich motiviert hat das Risiko einzugehen, das ich vorher mit Coach Grahn als Negativszenario durchgesprochen hatte, war vor allem die Chance, im Training gegen eine Defense zu üben, die als eine der stärksten der Liga gilt“, erzählt Weishaupt. Doch dann kam die Chance schneller als erwartet. „Dass sich ein Spieler – ob Mitspieler oder Gegner – verletzt, das wünscht man niemandem“, betont der 24-Jährige, der im Heimspiel gegen die Stuttgart Scorpions, in dem mit dem 65:0 der höchste Sieg der Universe gefeiert wurde, nach der Verletzung von Mike Wegzyn erstmals als Starting Quarterback aufs Feld lief.

„Für mich ist die Rolle als Quarterback vor allem ein Puzzleteil in einem großen Ganzen“, erklärt Weishaupt, der weiß, dass er sich auch für seinen eigenen Erfolg voll und ganz auf sein Team verlassen muss. „Wenn mich meine O-Line nicht richtig schützt, kann ich allein wenig ausrichten. Und egal wie gut ich werfe, so lange die Ballabnehmer fehlen, gibt es auch keine Punkte“, erklärt der 24-Jährige pragmatisch. Am eigenen Leib erlebt hat er das im vergangenen Jahr bei den Rhein-Neckar Bandits, wo er zwar als talentierter Spielmacher aufgefallen war, den sicheren Abstieg des Vereins jedoch nicht verhindern konnte.

Eine wichtige Rolle in seinem Leben spielt Football bereits seit über 15 Jahren: „In Babenhausen, wo ich aufgewachsen bin, gab es bis vor einigen Jahren eine Army-Base. Da war es normal, dass man sich nach der Schule draußen getroffen hat, den Football unter dem einen, den Fußball unter dem anderen Arm“, erzählt Weishaupt.

Und am Wochenende schnupperte er hautnah Football-Luft, sein Vater fungierte bei den Rhein-Main Razorbacks als Stadionsprecher. „Da gab es ein Gewinnspiel, bei dem es galt, im Stadionheft den Goldenen Quarterback zu finden. Dann konnte man in der Halbzeitpause auf die Torwand werfen, womit ich mit acht Jahren ein Wochenende in einem Maritim-Hotel gewonnen habe“, erinnert er sich leicht schmunzelnd an sein erstes großes Erfolgserlebnis im American Football.

Mit 16 ging Weishaupt dann für ein Jahr nach Georgia in die USA, wo er vollends in den Bann des amerikanischen Volkssport gezogen wurde. Später folgte ein Semester am College in Iowa, wo die akademischen und sportlichen Möglichkeiten aber weit entfernt waren, von dem was er sich erhofft hatte. Er kam zurück nach Deutschland, um in Darmstadt Sportwissenschaften und Philosophie zu studieren.

Die Nähe zum Studienort war für Weishaupt aber nur ein Grund, sich schließlich für die Universe zu entscheiden. „Die starke Organisation und die guten Trainer geben einem als junger Sportler einfach viele Möglichkeiten.“ Ob er in Zukunft eine Chance im Nationalteam bekommt und für die Universe regelmäßiger als Starter auflaufen darf? Sonny Weishaupt ist für alles offen und versucht sein Bestes zu geben – in allen Lebenslagen.

Erschienen in Frankfurter Neue Presse

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