Der Letzte räumt den Saal auf

Dass die Rocky Horror Show „das schrägste Musical aller Zeiten“ ist, erklärt sich unter anderem durch den intensiven Mitmach-Kult. Die Zuschauer werfen Konfetti, Toilettenpapier und spritzen mit Wasserpistolen. Doch wer bringt die Alte Oper danach wieder in Ordnung? 

Frankfurt. Sähe das eigene Wohnzimmer so aus, wie der Große Saal der Alten Oper nach den ausverkauften Vorstellungen des Kult-Musicals „Rocky Horror Show“, man würde wohl auf dem Absatz wieder kehrt machen. Den Boden bedecken Konfetti, Toilettenpapier und Zeitungen, überall sind kleine Wasserpfützen. Es ist wie bei jeder guten Party: Die Gäste  haben das Haus verlassen, für die Hausreinigung fängt der Abend erst an.

„Unsere Reinigungskräfte arbeiten bereits seit Jahren mit der Alten Oper zusammen und kennen jede Ecke des Saals genau“, erzählt Saga Neldner, Objektleiterin der Reinigungsfirma. Für das Haus spielen sie und ihre Kollegen eine Hauptrolle – und zwar lange nachdem die umjubelten Künstler die Bühne verlassen haben.

1800 Liter Abfall

Während nach Konzerten nur drei Leute für die Reinigung des Saals zuständig sind, sind es bei der „Rocky Horror Show“ zwischen sieben und zehn, die fegen, staubsaugen und dafür sorgen, dass keine Wasserreste das Parkett angreifen. „15 große blaue Müllsäcke kommen da an einem Abend schon Mal zusammen“, sagt Neldner. Das sind rund 1800 Liter Abfall, die über 2000 Gäste im ausverkauften Haus produziert haben.
„Die Interaktivität der Show  macht den Reiz der Produktion aus“, sagt Matthias Lienemann von der Produktionsfirma BB Promotion: „Die Fans kommen verkleidet in Strapsen und High Heels und sorgen mit Zwischenrufen und Konfettiregen für Stimmung.“

„Den Mitmachteil der Show zu verbieten, stand für die Alte Oper außer Frage“, sagt Pressesprecherin Anita Maas-Kehl. „Denn der ist mitunter einer der Gründe, warum das Kultmusical von Richard O’Brien zum Publikumsmagneten wurde“.

Auf der Bühne findet eine Hochzeit statt: Das Publikum wirft Konfetti. Ein einbrechender Regenschauer in der Erzählung wird vom Publikum mit dem Einsatz von Wasserpistolen begleitet, gegen den sich alle mit Hüten aus Zeitungspapier gewappnet haben. All diese Dinge gehören zur Show, genau wie die Songs. Alle erforderlichen Artikel, einschließlich bunter Knicklichter und Ratschen, können die Gäste vor der Show in einem Mittmachpaket für zehn Euro erwerben.

Auch Neldner und ihre Kollegen hat der Zustand des Saals nach der Show neugierig gemacht: „Viele von uns haben sich die Show schon angesehen und man muss sagen: Der Aufwand lohnt sich“, erzählt sie lachend. An das letzte Gastspiel der Produktion, die bereits zum dritten Mal in der Alten Oper gastiert, erinnern sie sich gut. Monate später hatten sich noch Konfettireste gefunden, erzählt eine von Neldners Kolleginnen.

Von oben nach unten

„Der Trick bei der Reinigung des 2100 Quadratmeter großen Saals ist es, immer von oben nach unten zu putzen, damit man den Schmutz nicht kreuz und quer durchs Haus trägt“, erklärt Neldner, die uns nach einer Show durchs Haus führt. Ihre Kollegen fangen auf den Rängen an und arbeiten sich ins Parkett vor.

Zunächst gehen einige mit großen Besen durch die Reihen und entfernen das Gröbste: Konfetti, Spielkarten und Toilettenpapier. Danach folgt jemand mit dem Staubsauger, der den Rest beseitigt, etwa den Reis, der weltweit in Theatern verboten ist. „Der frisst sich nämlich hartnäckig in alle Ritzen“, erklärt Saga Neldner. Wenn am Sonntagabend der letzte Vorhang der Produktion gefallen ist, geht es für sie nochmal an eine Grundreinigung des Saals.

Erschienen in: Frankfurter Neue Presse